Wie groß ist doch die Gnade, in diesem Meer der Finsternis Leuchttürme zu haben, die uns mit dem Licht ihres Wissens den Weg weisen.
Und erst recht, wenn sie ihr Licht aus der Glückseligen Zeit (Asr as-Saʿāda) beziehen …
Solche Wegweiser, die die immer heller werdenden Lichter des Prophetenzeitalters in ihre eigene Epoche tragen, sind die kostbarsten Tropfen der Barmherzigkeit für die Menschheit, die wertvollsten Sterne der Orientierung.
Ja, diese Menschen hinterlassen nicht nur Spuren – sie zeigen eine Richtung.
Sie gehen nicht wie ein Windstoß vorüber, sondern hinterlassen in unseren Herzen ein tiefes Echo.
Selbst wenn ihre Körper nicht mehr unter uns sind, bleibt das geistige Klima, das sie hinterlassen haben, bis zum Jüngsten Tag bestehen.
Wie glücklich ist doch derjenige, der ihre Zeit erleben, sie kennenlernen und mit ihnen gemeinsam gehen durfte.
Und wir gehören zu den Glücklichen, die in diesem Klima atmen durften –
die sich in ihrem Schatten ausruhten, sich an ihren Worten wärmten und selbst in ihrem Schweigen Allah spürten.
Ein Leben als Richtung, nicht nur als Erinnerung
Fethullah Gülen …
Er ist nun nicht mehr unter uns.
Ein Herz, der Erde anvertraut.
Eine Stille, die zum Himmel aufstieg.
Und doch – wie seltsam:
Sein Schweigen erzählt mehr als sein Ruf.
Denn er hinterließ keine Leere, sondern einen Weg.
Er zeichnete eine Richtung auf der großen Straße des Korans und der Sunna.
Ein Stern verschwand vom Himmel der Zeit – doch es wurde nicht dunkel.
Im Gegenteil: Sein Leben wurde selbst zu einem Kompass für die Erde.
Er war nicht nur eine Stimme auf der Kanzel einer Moschee.
Jede Wahrheit, die er aussprach, ging zuerst durch sein eigenes Herz, wurde mit seinen Tränen gewaschen und erst dann zu Worten.
Der Islam war auf seinen Lippen keine trockene Regel, sondern ein Frühling mit Rosenduft.
Der Koran floss in seinen Händen wie Wasser.
Die Sunna wurde von ihm behütet wie ein Waisenkind unter einer Decke.
Worte, die Herzen berührten
Seine Gespräche waren wie der erste Regen nach einer langen Dürre.
Sie ließen die Liebe zu Allah auf die rissigen Böden unserer Herzen herabfallen.
Wenn er einen Menschen berührte, sprach er nicht nur ein Gebet –
er ließ die Liebe zu Allah in diesem Herzen Wurzeln schlagen.
Er gab nicht nur Ratschläge –
er brachte Licht auf dunkle Wege.
Deshalb gab es Menschen, die ihn sogar im Schweigen hörten.
Und deshalb spricht er noch heute zu uns, obwohl er schweigt.
Nicht Gebäude, sondern Herzen gebaut
Er hinterließ nicht nur ein Leben, sondern einen Weg.
Jeder seiner Schritte war Moral, jede Haltung ein Gebet, jedes Schweigen ein Versprechen.
Er baute keine Gebäude – er baute Seelen.
Er gründete keine Positionen – er gründete Ideale.
Er schenkte einer Generation nicht nur Wissen, sondern Richtung, Horizont und Sinn.
In seinen Gesprächen war der Gesandte Allahs (s.a.s.) keine ferne historische Gestalt, sondern ein Gefährte an unserer Seite.
Man fühlte sich, als säße man im Schatten der Suffa, als höre man die ersten Echos der Offenbarung unter einem Dattelzweig.
Man suchte im Herzen:
- die Treue von Abū Bakr
- die Gerechtigkeit von ʿUmar
- die Schamhaftigkeit von ʿUthmān
- die Tiefe von ʿAlī
Möge Allah mit ihnen zufrieden sein.
Die Glückselige Zeit als lebendige Realität
Die Glückselige Zeit war nicht nur eine historische Epoche.
Sie war eine Ordnung, in der:
- Gerechtigkeit das Leben durchströmte,
- Barmherzigkeit im Zentrum von Politik und Gesellschaft stand,
- Rechte und Würde göttlich geschützt waren.
Arme und Reiche saßen am selben Tisch.
Die Herrschenden fühlten sich verantwortlich.
Die Tränen der Unterdrückten erschütterten das Gewissen der Gesellschaft.
Er brachte genau diesen Geist in das moderne Zeitalter.
Seine Sprache der Erneuerung rief zu Glauben, Weisheit, Dialog und Recht auf.
Er zeigte:
Der Weg des Propheten besteht nicht nur aus Ritualen, sondern aus:
- Gerechtigkeit aufrichten
- Unterdrückte schützen
- das Gute organisieren
- dem Bösen widerstehen
Die eigentliche Botschaft
Heute wissen wir:
Die Glückselige Zeit ist nicht nur eine Zeitspanne –
sie ist ein Bewusstsein, ein Geist, ein Klima.
Man muss nicht in Medina leben, um sie zu erfahren.
Es reicht, im Licht solcher Menschen zu gehen.
Ja, wir vermissen ihn.
Doch diese Sehnsucht macht uns nicht schwach.
Sie richtet uns auf.
Sie erinnert uns daran, weiterzugehen.
Denn manche Leben sind nicht dafür da, dass man ihnen nur nachweint –
sondern dass man ihren Weg weitergeht.
Und genau so ein Leben war seines.
Gebet
O Allah, gewähre uns, das Erbe, das er hinterlassen hat, würdig zu tragen.
Lass uns mit Aufrichtigkeit seinen Weg weitergehen.
Mache unsere Herzen wie seines – Dir gewidmet.
Unsere Zungen wie seine – der Wahrheit verpflichtet.
Und lehre uns, die Leere seiner Abwesenheit mit Treue zu seinem Ideal zu füllen.
Āmīn.
Via: https://www.caglayandergisi.com/2026/01/01/yol-birakan-hayat-modern-cagda-asr-i-saadet-iklimi/