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Barmherzigkeit und Mitgefühl – Die Essenz des Menschseins
„Zu euch ist ein Gesandter aus eurer Mitte gekommen. Eure Bedrängnis ist ihm schwer. Er ist voller Mitgefühl und Barmherzigkeit gegenüber den Gläubigen.“
(Sure at-Tawba, 9/128)
„Die Barmherzigen werden vom Allerbarmer erbarmt. Seid barmherzig zu den Menschen auf der Erde, damit der im Himmel zu euch barmherzig sei.“
(Tirmizî, Birr 16; Abû Dâwûd, Adab 58)
Ein Herz voller Mitgefühl
unsere heutige Botschaft handelt von Barmherzigkeit und Mitgefühl – zwei göttlichen Tugenden, die das Herz des Menschen veredeln.
Mitgefühl (Şefkat) bedeutet, Anteil zu nehmen, zu lieben, zu helfen, die Schmerzen anderer zu spüren und ihre Last zu teilen – so wie eine Mutter für ihr Kind sorgt.
Barmherzigkeit (Merhamet) hingegen ist Sanftmut, Vergebung und Gnade. Beide Begriffe gehören eng zusammen und bilden das Fundament einer wahrhaft menschlichen Haltung.
Die vollkommenste Form der Barmherzigkeit zeigt sich darin, wenn der Mensch sich bemüht, andere nicht nur vor irdischem Leid, sondern auch vor ewigem Verlust zu bewahren.
Die göttliche Quelle der Barmherzigkeit
Allah (c.c.) ist der Allbarmherzige und der Gnädige – ar-Rahmân, ar-Rahîm, ar-Ra’ûf.
Im Qur’an werden diese Attribute auch für den Propheten Muhammad (s.a.w.) verwendet, denn er verkörperte diese Eigenschaften in vollkommener Weise.
Er sagte:
„Allah ist sanft und liebt die Sanftmut in allen Dingen.“
(Bukhârî, Muslim)
Und auch:
„Wer den Älteren keinen Respekt zeigt und den Jüngeren keine Liebe erweist, gehört nicht zu uns.“
(Tirmizî 15; Abû Dâwûd 58)
Der Prophet (s.a.w.) lehrte sogar Mitgefühl gegenüber Tieren:
Ein Mann stillte den Durst eines Hundes, und Allah vergab ihm seine Sünden. Darauf sagten die Gefährten: „Oh Gesandter Allahs, gibt es etwa Lohn für den Dienst an Tieren?“ – Er antwortete:
„Für jedes Lebewesen gibt es Lohn.“
(Bukhârî, Schurb 9)
Die Kraft des Mitgefühls
Wahrer Glaube zeigt sich im Maß unserer Barmherzigkeit.
Wer leben will, um andere am Leben zu erhalten, trägt das Licht des Mitgefühls in sich.
Mitgefühl kann selbst die härtesten Herzen erweichen und selbst Feindschaft in Freundschaft verwandeln.
Doch Barmherzigkeit bedeutet nicht Schwäche.
Ungerechten und grausamen Menschen gegenüber unbedacht barmherzig zu sein, kann neue Ungerechtigkeit hervorbringen.
Wie Wasser Leben spendet, aber in falscher Dosierung zerstören kann, so muss auch Barmherzigkeit mit Weisheit verbunden sein.
Ein Aufruf an unsere Zeit
In unserer modernen Welt, in der Gewalt und Gleichgültigkeit zunehmen, ist Mitgefühl vielleicht das, was der Menschheit am meisten fehlt.
Brücken zwischen Herzen können nur mit Geduld, Liebe und Barmherzigkeit wieder aufgebaut werden.
Heute braucht die Welt mehr Mitgefühl als Luft, Wasser und Brot.
Wer barmherzig handelt, wird selbst Barmherzigkeit erfahren.
Selig sind jene, die im Glauben standhaft bleiben, Mitgefühl lehren und Mitgefühl leben.
Alle Kulturen Miteinander – Verein für Verständigung und Menschlichkeit
Wien, 2025