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Verschwendung – Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit
„Allah liebt die Verschwender nicht.“
„O ihr Kinder Adams! Zieht euch für jede gottesdienstliche Handlung sauber und schön an; esst und trinkt, doch seid nicht verschwenderisch. Wahrlich, Er liebt die Verschwender nicht.“
(Sure al-A’rāf, 7:31)
Unser Prophet Muhammad (Friede und Segen seien auf ihm) sagte:
„Wer sparsam und maßvoll handelt, verarmt nicht.“
Diese beiden Quellen machen deutlich: Sparsamkeit und Maßhalten gehören zu den grundlegenden Werten des Islam. Verschwendung hingegen ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern vor allem eine moralische und spirituelle Herausforderung.
Was bedeutet Verschwendung?
Im Islam umfasst der Begriff Isrāf (Verschwendung) weit mehr als nur unnötige Geldausgaben. Er beschreibt jedes Überschreiten des rechten Maßes – sei es im Glauben, im Verhalten, im Konsum oder im Umgang mit den Gaben Allahs.
Verschwendung bedeutet:
Vermögen für sinnlose oder unerlaubte Zwecke auszugeben,
Zeit und Gesundheit ungenutzt verstreichen zu lassen,
Ressourcen unnötig zu verbrauchen,
Luxus, Prunk und Maßlosigkeit zum Lebensstil zu machen.
Alles, was seinen eigentlichen Zweck verliert oder ohne Nutzen verbraucht wird, kann als Verschwendung betrachtet werden.
Die Gaben Allahs sind eine Verantwortung
Zeit, Gesundheit, Wissen, Vermögen, Wasser, Energie und alle anderen Gaben sind ein anvertrautes Gut (Amāna). Der Mensch ist verpflichtet, diese verantwortungsvoll einzusetzen und sie entsprechend ihrer Schöpfungsweisheit zu nutzen.
Der Islam ruft dazu auf, den mittleren Weg (Ṣirāṭ al-Mustaqīm) zu gehen: die erlaubten Gaben Allahs zu genießen, ohne in Übertreibung oder Verschwendung zu verfallen.
Verschwendung ist eine Eigenschaft Satans
Allah der Erhabene warnt in der Sure al-Isrā’:
„Und gib dem Verwandten, dem Bedürftigen und dem Reisenden ihr Recht und vergeude dein Vermögen nicht sinnlos. Wahrlich, die Verschwender sind Brüder der Satane, und Satan ist seinem Herrn gegenüber äußerst undankbar.“
(Sure al-Isrā’, 17:26–27)
Diese Verse zeigen eindrucksvoll, dass Verschwendung nicht nur ein finanzielles Problem darstellt, sondern auch eine spirituelle Gefahr ist.
Nicht die Höhe der Ausgaben entscheidet
Im Islam wird Verschwendung nicht danach beurteilt, wie viel jemand ausgibt, sondern wofür.
Die islamischen Gelehrten betonen:
Wer sein gesamtes Vermögen für wohltätige Zwecke und auf dem Weg Allahs spendet, gilt nicht als verschwenderisch.
Wer hingegen auch nur einen kleinen Betrag für Verbotenes oder Sinnloses ausgibt, begeht Verschwendung.
Imam Abū Hanīfa fasste dies treffend zusammen:
„Es gibt keine Verschwendung im Guten und in der Wohltätigkeit, so wie es auch nichts Gutes in der Verschwendung gibt.“
Verschwendung beginnt im Alltag
Verschwendung begegnet uns oft in kleinen Dingen des täglichen Lebens:
unnötig laufendes Wasser,
dauerhaft eingeschaltetes Licht,
Energieverschwendung,
Lebensmittel, die weggeworfen werden,
übermäßiger Konsum,
ungenutzte Zeit,
Schlaf im Übermaß,
Verhaltensweisen, die der Gesundheit schaden.
Auch diese Formen der Verschwendung widersprechen dem islamischen Verständnis von Verantwortung.
Das Vorbild des Propheten
Eines Tages sah der Gesandte Allahs (Friede und Segen seien auf ihm) seinen Gefährten Sa’d ibn Abī Waqqās bei der Gebetswaschung.
Als dieser mehr Wasser als nötig verwendete, fragte der Prophet:
„Was soll diese Verschwendung?“
Sa’d erwiderte:
„Gibt es denn selbst bei der Gebetswaschung Verschwendung?“
Der Prophet antwortete:
„Ja, selbst wenn du an einem fließenden Fluss die Gebetswaschung vollziehst.“
Diese Begebenheit zeigt eindrucksvoll, dass verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen unabhängig davon gilt, wie reichlich sie vorhanden sind.
Bescheidenheit statt Luxus
Der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) sagte außerdem:
„Esst, trinkt, kleidet euch und spendet, ohne hochmütig und verschwenderisch zu sein.“
Ebenso wird von Ibn ʿAbbās überliefert:
„Esst, was ihr wollt, und kleidet euch, wie ihr wollt, solange euch zwei Dinge nicht befallen: Verschwendung und Hochmut.“
Der Islam verbietet nicht den Genuss erlaubter Dinge. Er fordert jedoch dazu auf, Maß zu halten und Bescheidenheit als Lebensprinzip zu bewahren.
Die Folgen der Verschwendung
Verschwendung bringt zahlreiche negative Folgen mit sich:
Verlust des Segens (Baraka),
Unzufriedenheit,
Habgier,
Schwächung der Aufrichtigkeit (Ikhlās),
finanzielle Schwierigkeiten,
soziale Probleme,
moralischer Verfall,
Abhängigkeit von anderen Menschen.
Bediuzzaman Said Nursi beschreibt in seiner „Abhandlung über die Genügsamkeit“, dass Verschwendung einen Menschen in einen Kreislauf aus Gier, Unzufriedenheit und materiellen wie spirituellen Verlusten führt. Sparsamkeit hingegen stärkt Dankbarkeit, Zufriedenheit und innere Unabhängigkeit (Istiġnā).
Ein zeitloses islamisches Lebensprinzip
Unsere Zeit ist geprägt von Konsum, Werbung und ständig wachsenden Bedürfnissen. Der Islam erinnert uns daran, dass wahres Glück nicht im grenzenlosen Konsum liegt, sondern in Dankbarkeit, Genügsamkeit und Bescheidenheit.
Wenn wir unsere Bedürfnisse an der Notwendigkeit ausrichten, bewusst konsumieren und verantwortungsvoll mit den Gaben Allahs umgehen, leisten wir nicht nur einen Beitrag für unser eigenes Leben, sondern auch für unsere Familien, unsere Gesellschaft und unsere Umwelt.
Schlussgedanken
Verschwendung ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern eine Frage der Haltung. Wer Maß hält, bewahrt seine Würde, schützt die ihm anvertrauten Gaben und gewinnt die Zufriedenheit Allahs.
Möge Allah uns zu den Menschen zählen, die dankbar mit Seinen Gaben umgehen, sich von Verschwendung fernhalten und in Bescheidenheit und Ausgewogenheit leben.
„Wahrlich, Allah liebt die Verschwender nicht.“ (Sure al-A’rāf, 7:31)
Via: https://www.islam-abg.com/predigt/die-verschwendung-israf