Freitagspredigten, General, Nachrichten

Infāq als Zeichen der Treue

آمِنُوا بِاللَّهِ وَرَسُولِهِ وَأَنْفِقُوا مِمَّا جَعَلَكُمْ مُسْتَخْلَفِينَ فِيهِ فَالَّذِينَ آمَنُوا مِنْكُمْ وَأَنْفَقُوا لَهُمْ أَجْرٌ كَبِيرٌ

„Glaubt an Allah und Seinen Gesandten und spendet von dem Vermögen, über das Er euch als Treuhänder eingesetzt hat. Denjenigen unter euch, die glauben und spenden, gebührt ein großer Lohn.“ (Sure al-Ḥadīd, 57:7)

Verehrte Gläubige!

Unsere heutige Freitagspredigt handelt vom Infāq, dem Geben und Teilen als Zeichen der Treue.

Infāq bedeutet, aus dem eigenen Vermögen materielle und immaterielle Hilfe für Bedürftige zu leisten, um Allahs Wohlgefallen zu erlangen. In fast siebzig Koranversen wird der Begriff im Sinne des Ausgebens verwendet. Er umfasst sowohl die verpflichtende Zakāt als auch jede Art freiwilliger Wohltätigkeit. Im Zusammenhang mit dem Lohn für die Gottesfürchtigen heißt es im Koran:

وَفِي أَمْوَالِهِمْ حَقٌّ لِلسَّائِلِ وَالْمَحْرُومِ

„Und in ihrem Vermögen war ein Anteil für den Bittenden und den Bedürftigen vorgesehen.“ (Sure aḏ-Ḏāriyāt, 51:19)

Diese Praxis einer hohen sittlichen Haltung besteht seit der Zeit des Propheten. Im Laufe der Zeit haben sich ihre Bezeichnung, ihr Wirkungsbereich und ihre Form etwas verändert: Sie wurde als „Himmet“, als Hilfe, als Stipendium und heute auch als „Muāwanat“, also gegenseitige Unterstützung, bezeichnet.

Infāq beschränkt sich nicht auf Besitz und Geld. Auch das Teilen aller Möglichkeiten, die einem Menschen gegeben wurden, mit Bedürftigen gehört dazu: Wissen, Ideen, Kraft und praktischer Einsatz.

Infāq bedeutet, sich das Geben entsprechend den vorhandenen Möglichkeiten zur Gewohnheit zu machen, ohne darauf zu warten, dass diese Möglichkeiten größer werden.

Wenn Allah die Taten beurteilt, schaut Er nicht auf ihre geringe oder große Menge, sondern darauf, ob sie aufrichtig verrichtet wurden. „Manchmal kann eine winzige, aufrichtig verrichtete Tat wertvoller sein als Dutzende Kilogramm an Taten ohne Aufrichtigkeit.“ (Bediüzzaman)

Die Grundlage des Infāq ist Allahs Wohlgefallen. Der Glaube daran, dass Allah gute Taten und wohltätige Ausgaben vergelten wird, ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Verständnisses. Entscheidend sind weniger die Menge als vielmehr die Absicht, die Opferbereitschaft und die Aufrichtigkeit. Wenn jemand einen anderen sich selbst vorzieht, obwohl er selbst bedürftig ist, verweist dies auf Īṯār, eine noch höhere Stufe des Gebens.

Unser Herr gibt den Gefährten des Propheten und all jenen, die sich bis zum Jüngsten Tag mit derselben Haltung für den Glauben einsetzen, folgende frohe Botschaft:

„Die ersten Vorangegangenen unter den Auswanderern und den Helfern und diejenigen, die ihnen mit einer Haltung der Güte und Aufrichtigkeit folgen: Allah ist mit ihnen zufrieden, und sie sind mit Ihm zufrieden. Er hat für sie Gärten bereitet, durch die Bäche fließen und in denen sie für immer bleiben werden. Das ist der große Erfolg.“ (Sure at-Tawba, 9:100)

Das vollkommenste Vorbild für Infāq sind unser Prophet, der ein herausragendes Vorbild des Gebens war, und seine Gefährten. Unser Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:

„Schützt euch vor dem Höllenfeuer, auch wenn es nur durch das Spenden einer halben Dattel ist. Wer nicht einmal das findet, soll sich durch ein gutes Wort schützen!“ (al-Buḫārī, Adab, 34)

Unser Prophet sagte außerdem: „Eine wohltätige Gabe zu leisten, ist eine Aufgabe für jeden Muslim.“ Daraufhin fragte ein Gefährte: „Was soll er tun, wenn er nichts findet, das er geben kann?“ Unser Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, antwortete: „Er arbeitet mit seinen Händen und verdient etwas. So hat er selbst einen Nutzen davon und kann zugleich eine wohltätige Gabe leisten.“

Was die Gefährten groß machte und ihnen in vielen Koranversen das Lob Allahs sowie die Anerkennung unseres Propheten einbrachte, war ihr Einsatz für den Glauben in schwierigen Zeiten.

Gerade in schwierigen Zeiten ist gegenseitige Unterstützung besonders wertvoll. Als unser Prophet gefragt wurde, welche wohltätige Gabe die beste sei, antwortete er: „Die Gabe, die du leistest, während du gesund bist, an deinem Besitz hängst, auf Wohlstand hoffst und Armut fürchtest.“ (al-Buḫārī, Zakāt, 11)

Heute stehen bei der Bewahrung des Glaubens und des Korans und bei der Übernahme der Aufgabe, seine Botschaft zu verbreiten, häufig materielle Mittel im Vordergrund. Dennoch ist es unerlässlich, dass Menschen, denen Allah Besitz und Vermögen geschenkt hat, sich nicht allein auf finanzielle Unterstützung beschränken, sondern sich auch persönlich und mit eigener Kraft für den Glauben einsetzen.

Liebe Gläubige!

Die Hizmet-Bewegung, deren Geschichte in gewisser Hinsicht ein halbes Jahrhundert umfasst, können wir als eine Bewegung beschreiben, die sich mit all ihren Einrichtungen und Organisationen für den Frieden, die Geschwisterlichkeit und das Wohlergehen der Menschheit einsetzt. Durch ein seit Jahren betriebenes planmäßiges, systematisches und asymmetrisches Zerstörungsprojekt wurden ihre Einrichtungen und Organisationen beschlagnahmt und ihre Aktivitäten an bestimmten Orten verhindert. Doch Allah sei Dank leben ihre Menschen weiterhin. Sie leben jedoch unter außergewöhnlichen Entbehrungen und Schwierigkeiten. Die wichtigste Aufgabe derjenigen, die über die nötigen Mittel verfügen, besteht daher darin, den Unterdrückten zu helfen, bis sie eine dauerhafte Erleichterung erfahren. Wie lange dies dauern wird, wissen wir nicht.

Besonders in einer Zeit, in der die Schulen wieder beginnen, der Winter näher rückt und die Lebenshaltungskosten in allen Bereichen stark steigen, ist es sehr wertvoll, die Hilfe fortzusetzen. Die Kinder unschuldiger Menschen in den Gefängnissen sind uns anvertraut; ihre Lage gleicht der von Kindern, die ihren Vater oder ihre Mutter verloren haben. Diese Unterstützung ist sowohl bei Allah als auch für die Unterdrückten von großer Bedeutung.

Wie in einem Hadith qudsī überliefert wird, spricht Allah, der Erhabene, am Tag der Auferstehung: „O Mensch! Ich war krank, und du hast Mich nicht besucht. Ich bat dich um Nahrung, und du hast Mich nicht gespeist. Ich bat dich um Wasser, und du hast Mir nichts zu trinken gegeben.“

Der Mensch antwortet: „Wie hätte ich Dich besuchen, Dich speisen oder Dir Wasser geben können, da Du doch der Herr der Welten bist?“

Allah, der Erhabene, spricht: „Mein Diener war krank, und du hast ihn nicht besucht. Hättest du ihn besucht, hättest du Mich bei ihm gefunden. Mein Diener bat dich um Nahrung, und du hast ihm nichts gegeben. Weißt du nicht, dass du, wenn du ihm Nahrung gegeben hättest, dies gewiss bei Mir wiedergefunden hättest? Mein Diener bat dich um Wasser, und du hast ihm nichts gegeben. Hättest du ihm das Erbetene gegeben, hättest du den Lohn dafür bei Mir gefunden. Weißt du das nicht?“ (Riyāḍ aṣ-Ṣāliḥīn, 898; Muslim, Birr, 43; aš-Šāmila, 2569)

Dieser Hadith qudsī bringt eindrücklich zum Ausdruck, wie sehr Allah die Güte gegenüber Seinen Dienern schätzt – gleichsam, als wäre sie Ihm selbst erwiesen worden.

Unser Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:

مَنْ لَمْ يَهْتَمَّ بِأَمْرِ الْمُسْلِمِينَ فَلَيْسَ مِنْهُمْ،

„Wer sich nicht um die Anliegen der Muslime kümmert, gehört nicht zu ihnen.“ (al-Ḥākim, al-Mustadrak, IV, 352; al-Hayṯamī, Maǧmaʿ az-Zawāʾid, I, 87)

Jeder gläubige Mensch sollte Zeiten, in denen die Bedingungen schwieriger werden und der Einsatz für den Glauben erschwert wird, als Zeiten besonderer Chancen und Möglichkeiten für gute Taten betrachten. Er sollte sich bemühen, die in solchen Zeiten erforderlichen Aufgaben mit noch größerer Sorgfalt zu erfüllen. Wir hoffen, dass es einem Dienst von fünfzig Jahren gleichkommen kann, durch gegenseitige Unterstützung für die Menschen, die in diesen fünfzig Jahren herangewachsen und ausgebildet worden sind, sowie für ihre Familien einzustehen und ihnen zu Hilfe zu eilen. Gegenseitige Hilfe ist zudem eine Verpflichtung aus Geschwisterlichkeit, Treue und Zusammenhalt. Sie ist auch eine Voraussetzung dafür, dass Eintracht und Einigkeit fortbestehen.

Ja, eines Tages wird Allah mit Seiner Erlaubnis und Seinem Beistand die Unterdrücker dazu bringen, jene Worte zu sprechen, die Ziya Paşa in seinem Vers aufgreift: „Die Macht des Herrn wird die Unterdrücker sagen lassen: Tallāhi laqad āṯaraka llāhu ʿalaynā.“ So wie die Brüder des Propheten Yūsuf zu ihm sagten: „Bei Allah! Allah hat dich wahrlich vor uns ausgezeichnet.“ (Sure Yūsuf, 12:91)

Bis zu jenem Tag ist es jedoch ein Schritt zur Nähe Allahs, an der Seite der Unterdrückten und derjenigen zu stehen, denen Unrecht widerfahren ist. Wenn wir Allah nahe sein möchten, müssen wir diesen bedürftigen Menschen weiterhin die Hand reichen.

Beenden wir unsere Freitagspredigt mit diesem Gebet:

O unser Herr, Du Besitzer von Majestät und Großmut! Die Aufgaben, die vor uns liegen, lassen sich nicht allein mit weltlichen Mitteln und begrenzter Zeit bewältigen. Bitte erweitere für uns die Zeit und unsere Möglichkeiten. Schenke uns bei jedem guten Zustand und bei all unseren guten Vorhaben Kraft aus Deiner Macht und Stärke aus Deiner Stärke.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert